Plastikfasten-Kolumne Tag-32

Die Kuh im Tetrapak

Milch ist ein hochwertiges Nahrungsmittel, von der Natur extra dafür gemacht, zahnlose kleine Lebewesen schnell und gesund heranwachsen zu lassen, bis sie feste Nahrung kauen können. Die Muttermilch ist jeweils artspezifisch auf die Bedürfnisse des Nachwuchses abgestimmt: so beträgt z. B. der Fettgehalt der Kuhmilch (Rohmilch) durchschnittlich 4%, bei Robben bis zu 50%. In der menschlichen Ernährung stehen Milch und Milchprodukte von Kühen, Schafen oder Ziegen lebenslang auf dem Speiseplan. Im Lebensmittelhandel stehen sie in großer Sorten- und Verpackungsvielfalt bereit.

Bis in die 1970er Jahre konnte man im Laden um die Ecke noch Milch in die mitgebrachte Kanne zapfen lassen. Schulmilch oder -kakao gab es damals schon im Viertelliter-Tetrapak. Die Folienbeutel, die ohne Verschluss im Kühlschrank vor sich hinschwappten oder gern mal in der Einkaufstasche platzten, konnten sich als Milchverpackung nicht durchsetzen.

Milch Pfandflasche Foto BUND

Heute wird Frisch- oder H-Milch zumeist im Tetrapak angeboten. Die mit Kunststoff, teilweise auch mit Aluminium beschichteten Kartons sind schwer zu recyceln und landen überwiegend in der Müllverbrennung. Joghurt, Quark, Sahne oder Buttermilch gibt es meist in Plastikbechern (PS, PP, PET) mit Aluminiumdeckel, einige Joghurtsorten aber auch im Pfandglas. Frischmilch oder Sahne in Pfandflaschen ist meist nur im Bio-Fachhandel erhältlich.

Leider mussten in den letzten Jahrzehnten kleine, dezentrale, von den Landwirten selbst betriebene Genossenschaften zunehmend großen Molkereikonzernen weichen, was die Transportwege zwischen Stall, Molkerei und zurück zu Handel und Verbrauchern verlängert.

Als Reaktion auf die letzte Milchpreiskrise bieten viele Bauern Milch direkt ab Hof an. An den Milchtankstellen kann man die frische Milch selbst in eine mitgebrachte (oder dort erhältliche) Flasche zapfen. Standorte: milchautomaten-direktvermarkter.de/

Der gesundheitliche Wert eines hohen Milchkonsums ist umstritten, auch wenn die Werbung etwas anderes suggeriert. Kuhmilch ist, wie gesagt, Nahrung für Kälbchen, aber kein Durstlöscher für Menschen; zuckerhaltige Zubereitungen wie Fruchtbuttermilch sind Kalorienbomben. Weltweit ist ein Großteil der erwachsenen Bevölkerung Lactose-intolerant, denn eigentlich bilden nur (gesunde) Säuglinge das Enzym zum Abbau von Milchzucker. Für Milch als Massenware werden Kühe auf immer höhere Milchleistung gezüchtet, teilweise sind sie schon mit 5 Jahren so ausgelaugt, dass sie geschlachtet werden, während gesunde Kühe über 20 Jahre alt werden können.

Weniger ist mehr – dafür kann man lieber etwas mehr Geld für Biomilch aus Weidehaltung ausgeben, einen fairen Pries zugunsten der Tiere und der Landwirte bezahlen. Bei den Ökomelkburen dürfen die Kälber sogar bei der Mutter bleiben und trinken, es bleibt trotzdem noch was zum Melken übrig.

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